2016 05 24 Bild PM Milchviehbetriebe

GRÜNE Landtagsfraktion unterstützt Milchbäuerinnen und Milchbauern

Hof Schwakenberg in der Bauerschaft Vohren im Osten Warendorfs:  mit 60 Kühen eine gute Adresse in der Milchviehhaltung im Kreis Warendorf, insgesamt leben 220 Tiere auf dem Hof – in der jüngsten Zeit aber auch eine Adresse, an der man sich Sorgen macht über die Entwicklung der bäuerlichen Landwirtschaft. Denn seit Beginn des Jahres 2014 hat sich der Weltmarktpreis für Milchprodukte nahezu halbiert. Aktuell liegt der Preis pro Liter Milch nur bei 20 Cent, manchmal sogar darunter – etwa 40 Cent wären kostendeckend. Die Leidtragenden dieser Preispolitik sind die Milcherzeuger – große, aber auch kleine und mittlere. Im Jahr 2015 gaben allein in NRW 223 Milchkuhhalter ihre Betriebe auf.

Grund genug für den grünen Landtagsabgeordneten Ali Bas aus Ahlen, das Gespräch zu suchen und sich ein eigenes Bild zu machen: „Es ist wichtig, dass wir zu den Milchbäuerinnen und Milchbauern fahren und mit ihnen über die derzeitigen Schwierigkeiten sprechen. Ihre Lösungsvorschläge sollten wir uns anschauen.“

Tobias Schwakenberg regte ein „Milchmarkt-Krisenmanagement“ an, wie es der Bund Deutscher Milchviehhalter entwickelt hat: „Eine zeitweise Reduzierung der Milchfördermenge um 5 oder 10% wäre bereits eine sinnvolle Maßnahme.“ Der Verband, der 20.000 Milchviehbetriebe vertritt, hat sein Konzept der  Bundesregierung zugeleitet und erwartet, dass es beim „Milchgipfel“ in der kommenden Woche im Kanzlerinnenamt besprochen wird.

Ali Bas warb für einen angemessenen Preis: „Milch darf nicht verramscht werden. Angesichts der miserablen Preise haben zahlreiche Betriebe im vergangenen Jahr aufgegeben.“ Es sei absehbar, dass weitere Betriebe diese Krise nicht überleben. Gerade bäuerliche Betriebe brauchen jetzt unsere Unterstützung.  Auch die Molkereien müssten  ihren Beitrag leisten. „Sonst haben wir kurzfristig einen kleinen Preis, verlieren aber langfristig eine Kultur – die der bäuerlichen Landwirtschaft.“

Eine Lösung sieht Bas darin, eine bessere Wertschöpfung zu erzielen und die regionale Vermarktung zu stärken. Anstatt immer mehr immer billiger zu produzieren, müsse die Landwirtschaft auf Qualitätsprodukte wie z.B. Bio- oder Weidemilch setzen. „Wir als Politik sind dann in der Pflicht, Beratung  zu geben und Anreize für den Umstieg schaffen.“ Eine weitere Konzentration in wenigen Betrieben und einzelnen Regionen ist nicht im Sinne der Bauern und Bäuerinnen in NRW, nicht im Sinne der Umwelt und nicht im Sinne des Tierwohls.

 

Hintergrund:

Die EU ist mit über 160 Millionen Tonnen der mit Abstand größte Milchproduzent weltweit. In den letzten beiden Jahren wurde die Produktion um sieben Prozent oder 10 Millionen Tonnen jährlich gesteigert. Massive Preissenkungen zulasten der Erzeuger sind die Folge. Dieser Preisverfall geht auch auf das Auslaufen der Milchquote vor gut einem Jahr zurück. Die strukturellen Folgen der Milchmarktkrise für die Landwirtschaft und die Umweltfolgen für die Gesellschaft werden gravierend sein. Gegenmaßnahmen könnten beispielsweise ein tatsächlich wirksames Soforthilfeprogramm für betroffene Bäuerinnen und Bauern sowie der Aufbau von Kleinmolkereien für die direkte und regionale Vermarktung sein.